Welcher Typ bist du?

Das Institut für Geschichte des ländlichen Raums hat für uns mit vielen Befragungen von Bäuerinnen und Bauern verschiedene Typen herausgefunden, wie Landschaft von Bäuerinnen und Bauern wahrgenommen wird.

Welcher Typ bist du?

 

Die Vielfaltsbäuerin

Gemäßigte Ordnung fördert Artenvielfalt und schafft Arbeitserleichterung

Dieser Wahrnehmungstyp ist durch einen gemäßigten Anspruch an Ordnung in der Landschaft charakterisiert. Einerseits wird davon ausgegangen, dass für Artenvielfalt ein gewisses Maß an Unordnung notwendig ist, andererseits ist damit auch Arbeitsersparnis verbunden. Je weiter weg Feldstücke liegen, "umso weniger sauber muss es dort sein". Landschaft wird als Lebensraum wahrgenommen und mit ästhetischen Kriterien bewertet. Bunte Blühstreifen und die Natur als solche werden als "schön" bezeichnet. Ein positiver Naturhaushalt, gekennzeichnet durch Widerstandsfähigkeit und schnelle Regeneration bei Trockenheit, sind in dieser Gruppe positive Bewirtschaftungskriterien für landwirtschaftliche Flächen. Fördergelder für die Bewirtschaftung im Sinne des Naturschutzes stellen laut Auskunft der befragten Personen dieses Wahrnehmungstyps eine wichtige Einkommensquelle dar. Bei den Personen, die diese Art der Wahrnehmung teilen, handelt es sich überdurchschnittlich häufig um Frauen.

Der Kritische

Naturschutz in Schutzgebieten praktizieren

Dieser Wahrnehmungstyp zeichnet sich durch ein ambivalentes Verhältnis zur Natur aus. Einerseits wird von einem ganzheitlichen Landschaftsverständnis ausgegangen, in dem sich Mensch und Natur gegenseitig ergänzen und Insekten beispielsweise als "Helfer in der Landwirtschaft" bezeichnet werden. Andererseits wird für den landwirtschaftlichen Betrieb Artenvielfalt nicht als relevant empfunden und eine intensiv bewirtschaftete Wiese ohne Unkraut als ästhetisch schön bewertet. Naturschutz wird hier funktionell betrachtet. Er soll auf dafür vorgesehenen Flächen stattfinden, u.a. weil Artenreichtum auch mit Verunkrautung in Verbindung gebracht wird. Außerdem wird davon ausgegangen, dass Naturschutzflächen häufig nicht dem gängigen Ideal einer schönen Landschaft entsprechen. Trotzdem wird das Bewirtschaften von Flächen im Sinne des Naturschutzes als Dienst an der Gesellschaft verstanden. Aus der Perspektive dieses Wahrnehmungstyps erschweren es Förderauflagen, Arten-und Strukturreichtum durch die Bewirtschaftung zu erhalten. Umweltschutz wird daher auch als "Luxus" bewertet. Für das eigene Wirtschaften ist Zeitersparnis handlungsleitend.

Der Vielmäher

Nur eine durch Mahd genutzte Landschaft ist eine schöne Landschaft

Für diesen Wahrnehmungstyp ist die Mahd entscheidendes Kriterium für eine schöne Landschaft. Nur eine sauber gemähte Landschaft wird als schön empfunden. Fehlende Mahd führt dazu, dass Flächen verwildern und Gehölze aufkommen und es gefällt nicht, wenn die Mahd völlig ausbleibt. Außerdem wird der Nutzungszusammenhang von bewirtschafteten Flächen hochgehalten. Häufige Mahd erzeugt aus der Perspektive dieses Wahrnehmungstyps in der Regel verwertbares Futter, Biodiversitätsflächen hingegen nur unbrauchbares Mähgut. Das Ordnungsverständnis dieses Wahrnehmungstyps ist vor allem von der Arbeit her definiert. Ordnung erleichtert das Wirtschaften und wird auch angestrebt, um eine Arbeit fertigzustellen. Für die BewirtschafterInnen ist es wichtig, selbstbestimmt über ihre Flächen zu verfügen. Sie streben eine standortangepasste Bewirtschaftung an, in der der Pflanzenbestand für einen ausgeglichenen Naturhaushalt zeugt. Naturschutz und Artenvielfalt sollen tendenziell in dafür vorgese-henen Schutzgebieten gefördert werden.

Der Ökonom

Naturschutz muss sich rentieren

Dieser Wahrnehmungstyp basiert auf einem nutzenorientierten Landschaftsverständnis. Landschaft wird sehr deutlich als Ergebnis landwirtschaftlicher Produktion, beeinflusst durch externe Rahmenbedingungen, wahrgenommen. Die Perspektive auf die Landschaft ist geprägt durch eine auf hohen Ertrag ausgerichtete Wirtschaftsweise. Dementsprechend soll sich der Aufwand, der für den Schutz und die Pflege von Natur und Landschaft betrieben wird, für die BewirtschafterInnen auch rentieren. Personen, die diesem Wahrnehmungstyp zugeordnet werden können, sind sich darin einig, dass unflexible Förderauflagen die Gestaltung von arten- und strukturreichen Landschaften erschweren. Ihrem Dafürhalten nach wird eine häufig gemähte, also intensiv genutzte Landschaft, als gepflegt und daher schön bewertet. Wenn Flächen im Sinne des Naturschutzes bewirtschaftet werden, stellt das in der Wahrnehmung dieser BewirtschafterInnen eine Vergeudung wertvoller landwirtschaftlicher Flächen dar. Mit Naturschutz wird auch die Verunkrautung von Flächen in Verbindung gebracht. Für Personen, die zu diesem Wahrnehmungstyp gezählt werden, ist auch die soziale Akzeptanz, die über das Aussehen ihrer landwirtschaftlichen Flächen generiert wird, besonders wichtig. Beispielsweise ist es ihnen unangenehm, wenn Leute an ihren Flächen vorbeigehen, die nicht gemäht sind. Außerdem schreiben sie dem Aussehen der Hofstätte eine hohe Bedeutung zu. Sie wird als repräsentativ für die gepflegten Wirtschaftsflächen verstanden.


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Wahrnehmungsweisen von Landschaft durch Bäuerinnen und Bauern
Wahrnehmungsweisen von Landschaft durch
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